Rechenzentren auf Energie-Diät setzen

Energiebedarf von Rechenzentren kann mit passender Kühltechnik deutlich sinken.

Der Datenhunger ist überall bemerkbar und steigt unaufhaltsam an: im Smartphone ebenso wie in Produktionsstätten oder bei der Verkehrsüberwachung. Diese Daten werden in Rechenzentren verarbeitet, gespeichert und weitergeleitet. Da immer mehr Daten verarbeitet werden, braucht man immer mehr Rechenzentren, und diese brauchen immer mehr Energie. Zwischen 2010 und 2020 ist der Energiebedarf in deutschen Rechenzentren um über 50 Prozent auf 16,5 Milliarden Kilowattstunden gestiegen. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von rund vier Millionen Haushalten. Ein Großteil dieser Energie wird für die Kühlung der Server gebraucht. „Deshalb ist es so wichtig, auf die Dimensionierung der Kühleinrichtungen und ihre Leistungsversprechen zu achten“, erklärt Vera Gräff, Technische Leiterin des TÜV NORD-Kälte- und Klimalabors in Essen.

Gerade bei der Planung, dem Umbau oder der Erweiterung von Rechenzentren muss der Kühltechnik viel Aufmerksamkeit gewidmet werden. Den Produktdatenblättern der Kühlgeräte sollte man mit einer gewissen Skepsis begegnen, meint die Ingenieurin. Die Daten seien ihrer Erfahrung nach in Bezug auf die Leistungsaufnahmewerte bisweilen unrealistisch: „Bei unseren Labortests wichen Einzelgeräte um bis zu 70 Prozent vom Papierwert ab. Ein sehr viel höherer Energiebedarf macht sich bei derart energieintensiven Geräten sehr stark bemerkbar und erhöht die Betriebskosten immens. Aus diesem Grund setzten viele Betreiber auf unabhängige Tests vor einer Investition in neue Kühltechnik.

Interessanterweise ist die Kühltechnik auch bei der Zertifizierung von Rechenzentren ein wichtiger Baustein, wie Mario Lukas von TÜViT berichtet. Er ist Senior Sales Account Manager Data Center. „Wir haben viele Kunden, die die Verfügbarkeit ihrer Rechenzentren von uns zertifizieren lassen.“ Eine hohe Verfügbarkeit gehe jedoch immer einher mit redundant ausgelegter Technik, die im Zweifel zu einem höheren Energiebedarf führe. Er registriert deshalb ein stark steigendes Interesse an Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitszertifikaten im Rechenzentrumsumfeld. „Um dieser steigenden Nachfrage gerecht zu werden, haben wir mit unserem neuen TSE.STANDARD, also Trusted Site Energy Efficiency, eine Methodik entwickelt, die Anforderungen an ein Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 mit den Anforderungen an Rechenzentren gemäß EN 50600 kombiniert“, erklärt Lukas. Die Besonderheit: Es werden vier Reifegrade unterschieden: Level 1 – 4. Sie sind, ausgehend vom Status Quo, die Wegmarken für die kontinuierliche Optimierung hin zu einem energieeffizienten und nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb.

Betreiber von Rechenzenten tun gut daran, sich jetzt mit dem Thema zu befassen: Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass Rechenzentren bis 2027 klimaneutral werden sollen; bis 2030 ist es ein europäisches Ziel im Rahmen des Green Deal. Man könne zwar theoretisch auf Ökostrom setzen, doch es ist fraglich, ob dieser in einer ausreichenden Menge zur Verfügung stehen wird. Eine Alternative wäre die Kompensation von Treibhausgasen, sagt Mario Lukas: „Wir empfehlen aus Nachhaltigkeitsgründen jedoch eine langfristig sinnvolle Investition in moderne, energieeffiziente Technik. Ein gutes Rechenzentrum ist heute auf Energiediät.“ Weiterer Pluspunkt: Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem mit hohem Reifegrad könne potenzielle Kunden wiederum bei ihren Nachhaltigkeitsbemühungen unterstützen und sie ans Rechenzentrum binden.

 

Mehr Informationen zu unabhängigen Labortests für Kühlgeräte: https://www.tuev-nord.de/de/unternehmen/immobilien/kaelte-klima-lueftungstechnik-prueflabor/ 

Mehr Informationen zur Zertifizierung der Energieeffizienz von Rechenzentren: https://www.tuvit.de/de/leistungen/rechenzentren-colocation-cloud-infrastrukturen/energieeffizienz-von-rechenzentren/ 

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