Als TÜV NORD GROUP sind wir Vorreiter bei der Nutzung neuer Technologien. Diesen Vorsprung teilen wir gern mit Kunden, die Großes schnell erreichen wollen.
Sechs Beispiele.
TÜV NORD bietet Werkstätten, Gutachter:innen und Anwält:innen mit kaayo eine digitale Plattform, die die Schadensabwicklung vereinfacht.
Die digitale Plattform kaayo ist ein Corporate-Start-up der Business Unit Mobility der TÜV NORD GROUP. Sie macht die Schadensabwicklung im Fall eines Unfalls für alle Beteiligten transparenter, fehlerfrei und somit komfortabler. „Das Ganze ist im Grunde eine Software zur effizienten Zusammenarbeit zwischen Werkstätten, Gutachter:innen und Anwält:innen“, sagt Christian Hegel, Geschäftsführer von kaayo. Seit dem 1. Juli 2024 ist kaayo auf dem Markt. Zehn Mitarbeitende sind bei dem Unternehmen beschäftigt.
„Ein Unfall bringt oft einen ganzen Rattenschwanz an Problemen mit sich. Da verliert man schnell den Überblick“, sagt Annika Appelhoff, Projektmanagerin strategische Partnerschaften bei TÜV NORD Mobilität. kaayo vereinfacht die Prozesse. Servicebetriebe können Schadensfälle einfach und bequem in kaayo anlegen und alle Dienstleister miteinander vernetzen.
Der Effizienzgewinn beginnt dabei schon mit der Schadensmeldung: Geschädigte bekommen von ihrer Werkstatt einen QR-Code oder Link. Über diesen gelangen sie zur individualisierten Webseite auf kaayo, wo sie ihre Schadensfälle selbst melden können. Werkstattmitarbeiter:innen, Gutachter:innen und Anwält:innen haben dann sofort den kompletten Überblick über den Fall, empfangen Aufträge und Anfragen direkt und kommunizieren miteinander. „Das erspart unzählige Telefonate, Mails und Faxe und verkürzt die Bearbeitungszeiten“, sagt Christian Hegel. „Wir haben festgestellt, dass kaayo nicht nur Aufwände reduziert, sondern dass aufgrund der Einfachheit auch die Umsätze unserer Kunden steigen. Unsere Kunden nutzen kaayo deswegen und aus vielen anderen Gründen sehr gern“, freut sich der Geschäftsführer.
Jüngste Erfolgsgeschichte: „Wir haben innerhalb weniger Wochen eine Werkstattkette mit 13 Standorten auf kaayo umgestellt“, berichtet Hegel. „Mit so einem starken und flexiblen Team blicken wir zuversichtlich in die Zukunft.“
Christian Hegel, kaayo-Geschäftsführer, und Annika Appelhoff, Projektmanagerin strategische Partnerschaften bei TÜV NORD Mobilität
Die Spezialisten im TÜV NORD-Hochfrequenzlabor in Köln sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass sich Geräte, die ein Funksignal aussenden, nicht gegenseitig stören.
In einer Welt ohne Funk- oder EMV-Prüfungen könnte es zu erheblichen Störungen kommen. Um dies zu verhindern, gibt es Hochfrequenzlabore wie das in der Business Unit Industry von TÜV NORD. Sie testen die in Geräten verbaute Funktechnik präzise und bewerten ihre Sicherheit. Das TÜV NORD-Hochfrequenzlabor gehört zu den wenigen in Europa, die Frequenzen von 9 Kilohertz bis 330 Gigahertz abdecken. Das Team um Laborleiter Ralf Trepper prüft Geräte auf elektromagnetische Verträglichkeit (EMV), also die Störfestigkeit und die Auswirkungen auf andere Geräte, auf Frequenznutzung (Funk), also die Auswirkung auf andere Funkgeräte, sowie auf elektromagnetische Felder (EMF), die Auswirkungen auf Menschen haben können.
„Unser Schwerpunkt liegt auf RED-Prüfungen“, erklärt Trepper. RED steht für Radio Equipment Directive – die EU-Funkanlagenrichtlinie. Bevor ein Gerät mit Funktechnik auf den Markt kommt, muss es alle relevanten Prüfungen in den oben genannten Bereichen bestehen.
„Wir prüfen Abstandswarner im Auto, Garagentoröffner, Funkschlüssel, Waschmaschinen, Baustellenampeln oder VR-Brillen – kurz: Geräte, in denen Funktechnik verbaut ist“, erklärt Denis Raschka, Treppers Stellvertreter. Cybersecurity wird auch immer wichtiger und ist ab 2025 fester Bestandteil der RED. „Da arbeiten wir Hand in Hand mit unseren Kolleg:innen von TÜVIT“, sagt Raschka. „Die Datensicherheit drahtloser Kommunikation wird auf Schwachstellen und Schutz vor Cyberangriffen geprüft.“ Sind alle Prüfungen bestanden und somit alle Anforderungen erfüllt, kann das Gerät in den Markt gebracht werden. Von den pro Jahr rund 150 im Labor geprüften Geräten müssen etwa 60 Prozent vorher nachgebessert werden.
Die Fachleute haben schon viele Geräte geprüft und im Lauf der Zeit die rasante Entwicklung der Technik miterlebt, was ständige Investitionen erfordert. „Die Herausforderung ist, Trends früh zu erkennen und richtig zu investieren. Das ist uns bisher gut gelungen“, sagt Trepper.
Ralf Trepper (rechts), Laborleiter TÜV NORD Hochfrequenztechnik, und Dennis Raschka, sein Stellvertreter
In Hannover setzt das Verkehrsunternehmen ÜSTRA auf elektrische Busse – eine klimafreundliche Alternative, die jedoch auch Herausforderungen mit sich bringt.
Beim Laden der Busbatterien und Versorgung der Stadtbahnen entstehen Lastspitzen im Stromnetz. Um diese auszugleichen, wird nun auch die Bremsenergie der Stadtbahnen genutzt, die bislang verloren ging. ÜSTRA und der Bahntechnikkonzern Alstom haben ein innovatives Gleichstromunterwerk (GUW+) entwickelt.
Die überschüssige Bremsenergie der Stadtbahnen wird zurückgewonnen und gespeichert, wieder in das Bahnstromnetz gespeist und zum Laden der E-Busse genutzt. Das entlastet das öffentliche Stromnetz und hält bei einem Ausfall die Versorgung der Busse aufrecht. Nachhaltig ist auch die Nutzung ausgedienter Busbatterien, deren Kapazität für den Fahrbetrieb nicht mehr ausreicht: Sie erhalten in diesem Speichersystem ein zweites Leben. Das spart Ressourcen und reduziert Abfall.
„Unsere Sicherheits- und Risikoanalysen haben zum sicheren Betrieb dieses innovativen Projekts mit Kopplung der Sektoren Mobilität und Stromnetz beigetragen“, erklärt Verena Schneider, Leiterin New Energy Business in der Business Unit Energy & Resources in der TÜV NORD GROUP. Da die bestehenden Regelwerke für Bahntechnik und Stromnetz solch eine innovative Sektorkopplung nicht berücksichtigen, hat TÜV NORD mit seinen Gutachten die Entwicklung begleitet.
Der Strombedarf der Bahnen schwankt – je nachdem, ob sie beschleunigen oder bremsen. Der neue Speicher reduziert diese Schwankungen. „ÜSTRA und Alstom haben eine nachhaltige, effiziente Lösung gefunden, trotz des Ausbaus der E-Mobilität das öffentliche Stromnetz zu entlasten und so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten“, sagt Malte Berghaus, Leiter Netze bei TÜV NORD.
Die Allianz pro Schiene zeichnete das Konzept mit dem Deutschen Verkehrswendepreis aus – ein Beweis dafür, wie wegweisend die Lösung für die nachhaltige Zukunft des Nahverkehrs ist. „Wir verstehen uns nicht nur als Prüfer, sondern auch als Begleiter solcher Entwicklungen und machen nachhaltige Lösungen wie diese sicher und zukunftsfähig“, so Berghaus.
Verena Schneider, Leiterin New Energy Business in der Business Unit Energy & Resources, und Malte Berghaus, Leiter Netze, beide TÜV NORD
Klimawandel und IT-Sicherheit haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Leevi Lee und sein Team schulen Unternehmen in Asien und darüber hinaus, genauer hinzuschauen.
Die Menschen in Taiwan sind geübt im Umgang mit Naturgewalten. Erdbeben erschüttern regelmäßig die kleine Insel im südchinesischen Meer und tropische Stürme mit heftigem Regen wirbeln über sie hinweg. Durch den Klimawandel nehmen die Niederschläge insgesamt ab, aber Starkregen und Dürren häufen sich. Das wirkt sich nicht nur auf die lokale Wirtschaft aus, sondern auch auf Lieferketten rund um den Globus. Taiwan spielt eine Schlüsselrolle in der Weltwirtschaft: Die Mehrzahl der Computerchips, die weltweit verbaut werden, stammt von dort. Was passiert, wenn der Nachschub stockt, hat die Welt während der Covid-19-Pandemie erlebt.
Leevi Lee ist Senior Product Manager IT Service bei TÜV NORD Taiwan und leitet dort das Team in der Business Unit Certification, das Informationsmanagementsysteme nach ISO 27001 zertifiziert. Die Auditor:innen arbeiten im Auftrag von Unternehmen in Taiwan und zwanzig weiteren Ländern daran, wie sie etwa im Fall von gefluteten Serverräumen und dürrebedingten Produktionsstopps operativ bleiben können. Lee unterstützt sowohl die Regierung von Taiwan zur kritischen Infrastruktur des Landes als auch namhafte Chiphersteller. „Informationssicherheit spielt eine entscheidende Rolle dabei, betriebliche Prozesse angesichts des Klimawandels nachhaltig zu gestalten“, sagt Lee und ergänzt: „Alle Beteiligten müssen die komplexe Beziehung zwischen diesen beiden Bereichen verstehen. Nur dann können sie passende Strategien entwickeln, um klimaresistente Abläufe aufzubauen.“ Im produzierenden Gewerbe haben viele Unternehmen traditionell einen zweiten Fertigungsstandort außerhalb Taiwans – oder zumindest die Möglichkeit, diesen im Krisenfall rasch aufzubauen. Redundanz ist nur eine von vielen Strategien, die Leevi Lee und seine Kolleg:innen empfehlen.
Als am 3. April 2024 das heftigste Erdbeben seit 25 Jahren Taiwan erschüttert, zeigt sich, wie resilient der Inselstaat ist – auch durch die Tätigkeit von TÜV NORD: Bereits am folgenden Tag hatten nahezu alle Haushalte wieder Strom und in der Gegend des Epizentrums fuhren die Züge wieder.
Leevi Lee, Senior Product Manager IT Service, TÜV NORD Taiwan
ALTER mit Sitz in Sevilla, Teil der TÜV NORD GROUP, unterstützt ESA und NASA bei einem Weltraumprojekt. In der LISA-Mission wird die Geschichte des Universums anhand von Gravitationswellen erforscht.
ALTER in der Business Unit Digital & Semiconductor übernimmt eine entscheidende Rolle bei der Ausstattung der Weltraummission LISA (Laser Interferometer Space Antenna) von ESA und NASA. „Die Mission ist eine spannende technische Herausforderung“, freut sich Eva Díaz, Business Development Managerin bei ALTER. Als Coordinated Parts Procurement Agency stellt ALTER sicher, dass alle Anforderungen der europäischen Raumfahrtagentur ESA für die hochpräzise Elektronik erfüllt werden. „Wir begleiten das Projekt in jeder Phase – vom Design über die Beschaffung bis hin zu Tests der gesamten Technologie“, erklärt Díaz.
LISA ist das erste im All stationierte Observatorium für Gravitationswellen und startet im nächsten Jahrzehnt. Gravitationswellen sind Wellen in der Raumzeit, verursacht durch massive kosmische Ereignisse wie die Verschmelzung von schwarzen Löchern oder Neutronensternen. Die Mission besteht aus drei Raumsonden, die in einem Dreieck mit 2,5 Millionen Kilometern Seitenlänge angeordnet sind und deren Abstände per Laserinterferometrie gemessen werden. Das Design soll kosmische Phänomene wie die Verschmelzung schwarzer Löcher sichtbar machen und Erkenntnisse über das All liefern, die mit herkömmlichem Licht nicht erfasst werden können.
Neben der Beschaffung ist ALTER auch für die Qualitätskontrolle der Elektronik verantwortlich. Die Bauteile müssen Extrembedingungen wie starken Temperaturschwankungen und kosmischer Strahlung standhalten. „Sie dürfen nicht versagen, da eine Reparatur im All nicht möglich ist“, erklärt Eva Díaz. Deshalb testet ALTER jede Komponente in hochmodernen Labors. Die Tests simulieren die Bedingungen im All und umfassen etwa Thermalvakuum- und Strahlungstests. Der Einsatz akustischer Techniken ist wichtig und entscheidend, um Materialunregelmäßigkeiten wie Hohlräume, Porosität oder Risse zu erkennen.
Die Arbeiten dauern mindestens sieben Jahre. „Das Projekt wird uns noch mehr Anerkennung verschaffen und unsere führende Position als Anbieter von Halbleitern für wissenschaftliche Missionen stärken“, sagt Eva Díaz.
Eva Díaz, Business Development Managerin, ALTER
TÜV NORD beteiligt sich an 3spin Learning, einer digitalen Plattform für immersives Training. Ohne Programmierkenntnisse können realitätsnahe Kurse mit Virtual und Augmented Reality erstellt werden. Das Potenzial für Unternehmen ist enorm.
TÜV NORD hat Anteile an der Lernplattform 3spin Learning erworben, um immersive Lernmethoden in das Kursangebot der hauseigenen Akademie in der Business Unit People & Empowerment zu integrieren. „Dadurch bieten wir unseren Teilnehmenden völlig neue Lernerlebnisse“, freut sich Melanie Rudolph, Leiterin Unternehmensentwicklung bei der TÜV NORD Akademie.
„Es geht uns um die Digitalisierung von Learning by Doing“, erklärt Thomas Hoger, Geschäftsführer von 3spin Learning. „Die Plattform ermöglicht es, komplexe Szenarien zu simulieren, die in der realen Welt nicht oder nur schwer umsetzbar wären“, ergänzt Co-Geschäftsführer Oliver Göck. Zum Beispiel können Lernende virtuell in eine Maschine blicken oder Übungen durchführen, die in der Realität zu gefährlich oder zu teuer wären. „Diese Art des Lernens ist beliebig wiederholbar und völlig risikofrei“, ergänzt Hoger. Lernende können die Plattform sowohl mit VR-Brillen als auch am Notebook nutzen.
3spin Learning hat bereits namhafte Kund:innen wie die Lufthansa, die Deutsche Bahn, mehrere Universitäten und Pharmaunternehmen überzeugt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind breit gefächert: Von Onboarding und Verkaufsgesprächen bis hin zu Notfall- und Krisenmanagement oder Brandschutzübungen – die Plattform bietet für zahlreiche Schulungsszenarien die passende Lösung. Dank künstlicher Intelligenz lassen sich interaktive Übungsszenarien mit 3D-Avataren umsetzen.
Ein besonderer Vorteil zeigt sich im Kosten- und Risikomanagement. Unternehmen, wie etwa Fluggesellschaften, können durch virtuelle Schulungen teure Ausfallzeiten von Maschinen vermeiden und dennoch realitätsnahe Trainings anbieten. Ein weiteres Highlight der Plattform ist die Möglichkeit für Kund:innen, mit KI-Unterstützung eigene Kurse zu erstellen und individuell anzupassen. So können Unternehmen ihre Mitarbeitenden optimal schulen.
Durch die Integration von 3spin Learning unterstützt TÜV NORD die Kund:innen mit innovativen, praxisnahen und nachhaltigen Schulungslösungen. Immersives Lernen wird so zum neuen Standard in der Bildung.
Thomas Hoger (links), Geschäftsführer von 3spin Learning, Melanie Rudolph, Leiterin Unternehmensentwicklung bei der TÜV NORD Akademie, und Oliver Göck, Co-Geschäftsführer von 3spin Learning